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Die Heilige Katharina

Katharinas Lebensbeschreibung ist wie bei vielen anderen Heiligen aus der Frühzeit des Christentums nur Legende ohne jeden greifbaren Beleg. Die Grundlage ihrer Verehrung ist vermutlich eine literarische Quelle aus dem 6./7. Jahrhundert. Erst nach Erscheinen dieses Textes in griechischer Sprache findet man Spuren ihres Kults. Ihre Verehrung breitet sich von Rom aus in den Klöstern des Abendlandes rasch aus. Zentrum ihres Kults sind die im 10. und 11. Jahrhundert so bedeutenden Abteien Montecassino und Sankt Gallen. Die Kreuzzüge verbreiteten und unterstützten die Katharinenverehrung. im 14. Jahrhundert wurde die Katharinen Legende noch durch die zusätzliche Erzählung vom mystischen Verlöbnis der Heiligen mit Jesus Christus in Gegenwart Mariens bereichert.

Die Katharinen-Legende

Quelle: "Das große Hausbuch der Heiligen", Herausgegeben von D. H. Klein, Pattlochverlag, 1990

Da war aber zu Alexandria, wo sich der Kaiser eben aufhielt, eine Jungfrau namens Katharina, jung, schön, von königlichem Geblüte und kundig in den göttlichen und weltlichen Wissenschaften, welche Jesus als ihren einzigen Bräutigam von Herzen liebte. Als diese nun sah, wie so viele Menschen den Glauben verleugneten und sich ins ewige Verderben stürzten, ward sie im Herzen betrübt und eilte voll Eifer für die Ehre Gottes nach dem Tempel, wo eben das Volk mit dem Kaiser opferte. Alle erstaunten über ihre Schönheit, sie aber verlangte mit dem Kaiser zu sprechen; und nachdem sie hereingelassen worden, sprach sie zu ihm: "Du könntest, o Kaiser, wohl selbst einsehen, wie du dich täuschest, indem du Bildern vergänglicher Menschen als Göttern opferst. Weil aber dein Verstand eine so helle Wahrheit nicht erkennt, so solltest du doch den gelehrten Männern Diodorus, Plutarch und ändern glauben, welche deutlich lehren, daß nur aus Irrtum sterbliche Menschen zu Göttern gemacht wurden. Diesen wenigstens solltest du glauben und nicht so viele Seelen ins äußerste Verderben stürzen. Denn dafür wirst du einst ewige Strafe leiden. Laß dich also überreden, o Kaiser, und erkenne den einzigen wahren Gott, welcher dir dieses Reich und selbst das Leben gegeben hat.« Maximinus glühte vor Zorn bei dieser Rede, befahl ihr aber jetzt nur, am folgenden Tag in seinem Palast zu erscheinen. Als sie dahin kam, fragte er sie nach ihrer Herkunft. Sie antwortete: "Ich bin die Tochter eines Königs, heiße aber Katharina. Ich bin in der Philosophie, Redekunst und ändern Wissenschaften bewandert. Weil ich aber alles dieses für nichts halte, habe ich mich mit dem göttlichen Bräutigam vermählt." Maximinus verwunderte sich über das, was er hörte, und glaubte ein höheres Wesen vor sich zu sehen. Aber die Heilige erwiderte: "Du magst mich ansehen, für was du willst, so bin ich doch nur Staub und Kot, zu solcher Gestalt gebildet und mit dem göttlichen Ebenbilde beehrt. Daher solltest du wohl die Weisheit des Schöpfers bewundern, daß er aus so schlechtem Stoffe diese Schönheit hervorbringen konnte Was aber deine Götter vermögen, kannst du leicht einsehen, wenn du nur deine Täuschung ablegen willst. Auch wirst du dann den ewigen und unsterblichen Gott erkennen, dessen ausgesprochener Name oder ein in der Luft gezeichnetes Kreuz allein schon mächtig ist, deine Götter in die Flucht zu jagen. Willst du, so werde ich es dir in Wahrheit zeigen. "

Der Kaiser, welcher sich nicht gewachsen fühlte, dieser so weisen Jungfrau zu antworten, ließ nun fünfzig der berühmtesten Weltweisen in seinem Palast zusammenkommen, welche die Märtyrin widerlegen sollten. Schon hatte sich eine große Volksmenge versammelt, um dem Streit zuzuhören, und Katharina war noch allein im Gefängnis. Da erschien ihr ein Engel des Herrn und sagte ihr: »Fürchte dich nicht, Jungfrau Gottes! Denn zu deiner Weisheit wird dir von Gott noch Weisheit verliehen werden, und du wirst die fünfzig Redner überwinden. Und nicht nur wirst du diese überzeugen, sondern auch sie und noch viele mit ihnen Gott zuführen.

Außerdem wirst auch du die Marterkrone erlangen.« Darauf verschwand er. Die Unterredung fing nun an, und die Weltweisen, boten alle ihre Beredsamkeit auf, die heilige Jungfrau für den Götzendienst zu gewinnen; allein diese sprach mit solcher Weisheit, Stärke und Überzeugungskraft für das Christentum und bewies ihren Gegnern so gründlich aus ihren eigenen Philosophen und Dichtern die Einheit Gottes und die Nichtigkeit ihres Aberglaubens, daß sie sich öffentlich für überwunden erklärten. Maximin ließ wütend einen Scheiterhaufen errichten und befahl, die fünfzig Redner hineinzuwerfen. Diese warfen sich der heiligen Katharina zu Füßen und baten um ihre Fürbitte bei Gott. Die Jungfrau erwiderte ihnen voll himmlischer Freude: Selig seid ihr, daß ihr die Finsternis verfassen habt, dem Lichte der Wahrheit gefolgt seid und mit Verlassen des vergänglichen Königs dem himmlischen und unsterblichen euch genähert habt.« Darauf bezeichnete sie die Märtyrer noch mit dem Kreuz und entließ sie voll Dank und Freude zum Martertode. Ihre Seelen stiegen gen Himmel; aber ihre Leichname fand man abends wunderbarerweise vom Feuer unberührt.

Nach einigen Tagen ließ Maximin die zarte Jungfrau vor seinen Richterstuhl bringen, welche vor ihm in ruhiger Fassung erschien und mit heiterem, wonnevollem Angesichte, so daß der Kaiser sich verwunderte und sein Bedauern gegen sie äußerte, daß sie bei ihrer Schönheit die Welt zu genießen verschmähte. Er sprach zu ihr: Opfere den Göttern und herrsche mit mir, und lasse deine Schönheit nicht durch Quälen verderben!« Die Heilige entgegnete: "Wolle nicht groß achten, was Krankheit, Alter und die Zeit verdirbt; Schönheit vergeht, Wahrheit besteht." Da kam ein böser Ratgeber zum Kaiser und sagte: "Im Augenblick will ich die Jungfrau zu deinem Dienste bringen, lasse nur ein Rad machen, das mit Schneidwerkzeugen ringsum versehen und leicht beweglich ist; was gibt's, entweder gehorcht sie oder liegt in Stücken.« Gesagt, getan, und die Jungfrau wird auf das Rad gebunden, und das Rad in Bewegung gesetzt. Aber siehe! Katharina wird wunderbar gerettet, die Bande lösen sich, sie steht auf freiem Fuße. Das Rad aber wälzte sich von selbst herum und zerriß viele Ungläubige. Die Umstehenden riefen vor Verwunderung aus: "Groß ist der Christen Gott.«

Einige bemerkten, daß ein Blitz vom Himmel das Rad zerschmettert und auseinandergeworfen habe. Nur der Kaiser blieb dabei ungerührt; und schon wollte er aufs neue wider Katharina wüten, da eilte die Kaiserin herbei und bat ihren Gemahl, ja doch nicht wider Gott selbst zu streiten, der seine Dienerin sichtbar beschütze. Aber nun wandte sich sein Zorn gegen seine Gattin; er ließ sie aufs grausamste martern und endlich enthaupten. Doch dieser herrliche Tod ermutigte nur den Porphyrius und seine Soldaten, daß er zum Kaiser trat und sprach: "Auch ich bin Christ; und diese, die bei mir stehen, sind ebenfalls ein herrliches, Gott zugeführtes Heer." Der Vertust so vieler tapferer Männer tat dem Kaiser sehr wehe; aber die Scham sich überwunden zu sehen, begeisterte ihn; und so verurteilte er auch alle zweihundert zum Tode, wodurch die Weissagung der heiligen Märtyrin in Erfüllung ging.

Endlich nachdem Maximin durch Drohungen und Verheißungen noch alles mögliche an Katharina versucht hatte, ließ er auch sie zum Tode führen. Eine große Menge, worunter angesehene Frauen waren, beklagten die heilige Bekennerin laut auf ihrem Todesgang. Sie aber bat sich mit einer unerschrockenen und heiteren Miene nur noch etwas Zeit zum Gebete aus: und als dies gestattet worden war, fing sie mit erhobenen Händen an: "Herr Jesus Christus, mein Gott, ich danke dir, daß du meine Füße auf den Felsen gestellt und meine Schritte geleitet hast; und nun strecke deine Hände, die für mich am Kreuze sind verwundet worden, nach mir aus und nimm meine Seele auf, die ich für dich und dein Bekenntnis opfere. Gewähre aber auch allen, die durch mich deinen heiligen Namen anrufen, die Bitten, so ihnen gedeihlich sind, auf daß deine Großtaten durch alle gepriesen werden jetzt und in Ewigkeit!« Darauf schlug ihr einer mit dem Schwerte das Haupt ab. Gott verherrlichte ihren Martertod; denn Milch floß statt dem Blute aus ihrer Wunde, und Engel trugen ihren heiligen Leichnam auf den Berg Sinai, wo sie ihn begruben. Doch behaupten andere, daß dies Mönche von diesem Berge, die oft Engel genannt werden, gewesen seien.

Bereits im 13. Jahrhundert stellte man gerne Szenen aus dem Leben der Heiligen dar, und schon seit dem 12. Jahrhundert sind überaus zahlreiche Einzeldarstellungen bekannt. Kostbar gekleidet, trägt Katharina königliche Insignien und dazu ein Stück des Rades mit den Nägeln. Schwert und Palme, auch ein Buch oder ein Ring als Zeichen ihrer Verlobung mit Christus können ihre Attribute sein. Zu ihren Füßen werden häufig mehrere der besiegten Philosophen oder der Kaiser als eine einzelne, gekrönte Gestalt dargestellt. Die große Beliebtheit der heiligen Katharina zeigt sich auch darin, daß sie zu den Vierzehn Nothelfern gezählt wird. Angerufen wird sie gegen Leiden der Zunge und schwere Sprache. Sie ist die Patronin vieler Städte, Bistümer und, ihrer Gelehrsamkeit wegen, die Schutzheilige der Pariser Universität. Viele Berufsstände verehren die Heilige; so die Philosophen, der Lehrstand allgemein, die Rechtsgelehrten, die Redner, die Barbiere, die Spinnerinnen und die Wagner. Außerdem ist sie Patronin für die Bleigießer, Bogenschützen, Buchdrucker, Flachshändler, Gerber, Müller, Näherinnen, Scherenschleifer, Schiffer, Schuhmacher, Seiler und Töpfer. Katharinas Schutz gilt auch den Bibliotheken, den Schulen und den Jungfrauen. Besonders mit der Bitte um Hilfe bei der Suche nach Ertrunkenen und gegen Migräne wendet man sich an Katharina.